Was ist "altkonservativ"?

 

Von Stephan Ehmke

 

Der Begriff "altkonservativ" beschreibt zunächst eine Haltung, die mit einem historischen Phänomen verbunden ist: dem Kreis von preußischen Staatsrechtlern, Theologen, Historikern, Offizieren und Politikern aus dem Kreis um Ernst-Ludwig und Leopold von Gerlach1, die in den 30-er bis 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts die Politik des Königreiches unter Friedrich Wilhelm IV. prägten. Diese "Altkonservativen" unterscheiden wir von jenen Konservativen, die sich seit dem Beginn der "Neuen Ära" in Preußen ab 1858 dem Liberalismus, insbesondere dem Nationalliberalismus öffneten und später unter Otto von Bismarck als "Deutschkonservative" oder "Freikonservative" bezeichnet wurden ...

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Amt und Patriarchat

„Denn Vaterschaft, Familie und Obrigkeit sind nicht bloß weltliche Institutionen zu weltlichen Zwecken; sie sind vielmehr auch göttliche Institutionen zu überweltlichen Zwecken, nämlich zur Erbauung und Erhaltung des Königreiches Gottes und zur Handhabung des göttlichen Gesetzes.“[1]

Der Altkonservativismus sieht Mensch und Welt von Gott her. Für ihn gelten Gottes Ordnung und Gesetz, wie sie in der christlichen Offenbarung manifestiert sind und wie sie sich im ewig unveränderlichen Wesen der Schöpfung Gottes zeigen. Alle Dinge haben dem zu folgen. Aufklärung und Revolution und die aus ihnen geborenen Ideologien des Liberalismus und Sozialismus aber haben Gott aus der Welt verbannt und den Menschen an seine Stelle gesetzt. Seitdem gilt nur noch das Gesetz des Menschen, voller Irrtum und Abwegigkeiten, Sünde und Verwerflichkeit. Der Altkonservativismus will Mensch und Welt wieder zu Gott, seiner Ordnung und seinem Gesetz zurückführen. Denn nur dort liegt das Heil.

 

[1] Zitat in: Gerlach, Ernst Ludwig von: Kaiser und Papst. Berlin 1872, Seite 43.

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Zur Klarstellung des Freiheitsbegriffs im Altkonservativismus

 

Über den Begriff der "Freiheit" herrscht einigermaßen Verwirrung. Jeder versteht darunter, was er für richtig hält. Im Allgemeinen wird heute darunter die persönliche Freiheit verstanden, das zu tun oder zu lassen, was man will.

 

Dieser liberale, individualistische Freiheitsbegriff ist dem Altkonservativismus fremd. Aber ebenso jener Freiheitsbegriff, den der Sozialismus kennt: Dass der Mensch nur dann frei sei, wenn er sich dem Diktat des Kollektivs und der Bevormundung durch die Ideologie unterwirft.

 

Beide Freiheitsbegriffe führen in die Irre, weil sie dem tatsächlichen Wesen des Menschen nicht gerecht werden ...

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Die Altkonservativen und Europa

 

von Stephan Ehmke

 

Die altkonservativen Denker und Politiker der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind in den christlichen Ordnungsvorstellungen des alten Europa groß geworden und blieben ihnen verhaftet. Jenes alte Europa, welches "geprägt war durch eine gottgewollte, umfassende politisch-soziale Ordnung, in der jeder einzelne den ihm gemäßen Platz fand - durch ein nach `göttlichem Recht´ geregeltes System gegenseitiger Pflichten und Abhängigkeiten, schließlich durch die untrennbare Einheit des religiösen, politischen und sozialen Lebens", und welches durch die Französische Revolution ins Wanken gebracht worden war und zerstört zu werden drohte ...

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Altkonservatives Rechtsverständnis

 

von Stephan Ehmke

 

"Lehre mich rechtes Urteil und Erkenntnis, denn ich vertraue deinen Geboten."
Psalm 119

 

Ernst Ludwig von Gerlach, Haupt und Vordenker der preußischen Altkonservativen des 19. Jahrhunderts, war Jurist, und Recht und Gerechtigkeit stellten die Hauptkategorien seines Denkens und Handelns dar ...

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Die Altkonservativen und die "soziale Frage"

 

von Stephan Ehmke

 

Wer die Haltung der preußischen Altkonservativen des Gerlach-Kreises zur "sozialen Frage" verstehen will, der sollte ihre Auffassungen über das Wesen von Staat und Gesellschaft kennen, wie sie in den Beiträgen des Autors "Was ist altkonservativ" und "Altkonservatives Staatsverständnis" dargelegt wurden1. Im Wesentlichen sind folgende Punkte wichtig: Gottes Gebote gelten uneingeschränkt überall in Staat und Gesellschaft, auch in der Politik, es gibt also keine Säkularisierung; Alles Recht kommt von Gott; Staat und Gesellschaft bilden einen natürlichen Organismus mit Haupt und Gliedern, der sich geschichtlich entwickelt; Alle gesellschaftlichen Verhältnisse sind patriarchalisch geregelt; Alle verantwortlichen Positionen in Staat und
Gesellschaft sind als Ämter von Gott direkt eingesetzt und von ihm abhängig.

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Altkonservatives Staatsverständnis

 

von Stephan Ehmke

 

Wenn wir von "altkonservativ" sprechen, dann meinen wir zunächst konkret das Denken und Handeln des historischen Kreises der preußischen Altkonservativen um den Juristen Ernst Ludwig von Gerlach und den General Leopold von Gerlach in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Grundlegendes dazu findet der interessierte Lesen in den beiden Beiträgen des Autors: "Was ist altkonservativ" und "Ernst Ludwig von Gerlach". Letzterer war das Haupt und der geistige Führer der Altkonservativen, daher spiegelt dieser kleine Aufsatz im Wesentlichen seine Gedankenwelt wieder.

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Kritik an der Reichseinigung von preußisch-altkonservativer Seite

 

von Stephan Ehmke

 

Ausgerechnet von Seiten der ältesten politischen Freunde Bismarcks kam die schärfste Kritik an der Reichseinigung von 1871 innerhalb Preußens. Dabei ging es nicht um die Frage, ob ein deutsches Reich wiedererstehen sollte, sondern auf welche Weise dies geschehen, wen es umfassen und wie seine innere Gestaltung aussehen sollte ...

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